Blog Articles Tagged with “Homo sapiens”

    Bauchgefühl Teil I


    Die bewusste Wahrnehmung des Ich bin ist ein ‘Spätes’ in der Evolution des Kosmos. Es bedarf, um überhaupt in Erscheinung zu treten, einer hochkomplexen Struktur wie z. B. des Zentralnervensystems, kurz ZNS, des Homo sapiens. „Der Leib ist unser Mittel überhaupt, eine Welt zu haben“1. Diese Erkenntnis von Merleau-Ponty2 weist das Ich bin auf die Grundlage der bewussten Wahrnehmung hin, den Leib. Der Homo sapiens ist evolutionsgeschichtlich zuerst Leib. Und als Leib-Wesen ist er in seiner Wahrnehmung an das Leibliche bzw. physikalisch Reale gebunden. Somit bleibt ihm, zumindest im jetzigen Stadium seiner Entwicklung, die Einheit des Kosmos verborgen; er besitzt wahrnehmungspsychologisch betrachtet einen ‘begrenzten Gesichtskreis’. Ihm liegt damit ein verborgenes Wissen zugrunde, das bedeutsam und unbewusst ist. „Es denkt in mir3. So drückt es Merleau-Ponty aus und fügt hinzu:

    „Wollte ich infolgedessen die Wahrnehmungserfahrung in aller Strenge zum Ausdruck

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    Die Todesangst, bzw. die Angst generell, ist ein Zustand des Körpers, der, sofern nicht fehlgeleitet, die Erhaltung des Leibes in Gefahrensituation fokussiert und somit zur bewussten Wahrnehmung, zur Erscheinung bringt. Das Wissen, dass das Ich bin über sein aktuales Dasein hinaus fortexistiert, ob als Information, Teil des universalen Bewusstseinsfeldes oder in Gott etc., überwindet womöglich die Furcht vor dem Tod, solange keine wirkliche Gefährdung für den Leib besteht. Das Ich bin ist ein Spätes in der Evolution und somit nicht in der Lage, die ihn erhaltenden Prozessketten und Programme aus früheren Entwicklungsstadien zu überwinden bzw. soweit zu transformieren, das sie sein Tun nicht mehr beeinflussen. Weshalb sollte das Ich bin überwinden, was ihn im Dasein zu halten bestrebt ist?

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    Jede Hypothese/Theorie lässt sich mit möglichen Beweisen untermauern.

    Keine Hypothese/Theorie lässt sich endgültig als tatsächliche Wahrheit beweisen.

    Die Nicht-Beweisbarkeit von Hypothesen/Theorien führt auf den Glauben an eine der zahlreichen Hypothesen/Theorien.

    Glaube ist abhängig/bedingt durch Prägung (Vererbung), kultureller Lebensbereich usw.

    Die Anzahl der möglichen Glaubensrichtungen wird bedingt a) Umfang des Wissens und b) die Anzahl der lebenden Menschen.

    Wahrheit bzw. der Glaube an die Wahrheit ist somit eine Relation zwischen Wissen und Subjekten; mit anderen Worten: Ein relationales Beziehungsgeflecht.

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    „Was ist der Sinn eines Steines?“, wollte Tathagata von seinen Schülern als Antwort auf seine Frage wissen, und als er zahlreiche Gedanken gehört hatte, sah er die Ratlosigkeit in ihren Gesichtern, worin denn in Wahrheit, bei der Vielzahl an unterschiedlichen Antworten, der Sinn des Kosmos begründet ist.

    „Höret!“, sprach er. „Sinn oder Unsinn, Wahrheit oder Lüge, Gerechtigkeit oder Unrecht, sind begriffliche Urteile des Ich bin und ebenso der Entwicklung unterworfen wie er selbst. Was in früherer Zeit als gerecht erschien, gilt heute als Unrecht, und wie schnell wird die Wahrheit als Lüge entlarvt und wandelt sich Sinnvolles in Unsinn. Ergibt Unsinn, wenn er uns im Spiel erfreut, nicht Sinn? Besitzt nicht jegliches Ding zwei Seiten? Und welche von den möglichen zwei Seiten ist gut oder böse, sinnvoll oder verwerflich?“

    „Gut ist, was die Gemeinschaft fördert!“, rief ein Schüler und ein anderer war der Meinung: „Wer urteilt denn darüber, ob etwas gut oder böse sei?“

    „Das ‘Ich bin

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    Wenn drei Begründungen für eine Wahrheit existieren, ist die Wahrscheinlichkeit, das die Wahrheit. eine grundlegende bzw. umfassende Wahrheit darstellt, weniger wahrscheinlich, als wenn nur eine Begründung die Wahrheit explizit beschreibt, bzw. diese begründet.

    Wahrheit ist individuell und rekrutiert sich aus dem Umfeld des jeweiligen Individuums, dessen kulturellem Umfeld, Überzeugungen etc.

    Je öfter eine bestehende, individuelle Wahrheit neu begründet werden muss, desto näher kommt sie ihrem Zusammenbruch bzw. wird in eine neue, umfassende Theorie eingebunden oder geht aus ihr mit Notwendigkeit hervor (Kuhn - Paradigmenwechsel).

    Es geht somit nicht um wissenschaftliche Beweise (Falsifizierbarkeit, mathematische oder experimentelle Beweisbarkeit), sondern um die individuelle Konstellation des Ich bin, die eine Wahrheit zur Wahrheit erhebt oder verwirft. Die Kriterien, welche diese Wahrheit begründen, operieren anhand, der für den Organismus, optimalen Tuns, welches ihn im Dasein

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    Die Weltanschauung primitiver Gesellschaften hat stets eine großartige Geschlossenheit, man kann ihre Gesellschaftsordnung, das System des sozialen Status, die Wirtschaftsweise, ihre Entscheidungen zu den Lebenselementen stets sehr weitreichend auf ihre Riten und ihren Götterhimmel abbilden und umgekehrt. Diese Geschlossenheit ist nur erreichbar …

    Primitive Gesellschaften bilden deshalb eine großartige Geschlossenheit, weil sowohl ihre Zahl als auch ihr Wissen begrenzt ist.

    Sobald unterschiedliche Gesellschaftssysteme innerhalb einer Gruppe, die hierfür die notwendige Voraussetzung erfüllt (Große Zahl an Mitgliedern) existieren, zerbricht die Geschlossenheit und geht in den Pluralismus über.

    Wenn das Individuum seinen Erhalt nicht mehr im Umfassenden Familie, Staat usw. verorten und auf sich selbst, den Selbsterhalt zurückgeworfen wird, kommt es für das umfassende System zu irrationalen Handlungen.

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    „Welch eigenartiges Chaos ist diese weite Atmosphäre, die wir atmen! ... Die Luft selbst ist eine einzige riesige Bibliothek, auf deren Seiten alles für immer niedergeschrieben ist, was ein Mann je gesagt oder eine Frau geflüstert hat. Dort, in ihren veränderlichen, aber eindeutigen Zeichen, gemischt mit den frühesten sowie letzten Seufzern der Sterblichkeit, sind für immer festgehalten, nicht eingelöste Schwüre und unerfüllte Versprechen, die sich in der vereinten Bewegung jedes Elementarteilchens als Zeugnis des wechselhaften Willens des Menschen verewigen.“

    J. L. Borges - Die Bibliothek von Babel

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    Es ist immer eine eher animalische und instinktive Beeindruckung, die von dem Menschen des raschen Entschlusses und des entschlossenen Zugriffs ausgeht; sie scheinen es zu sein, die den Situationen der Not und Gefahr am ehesten begegnen können. Aber dieses animalische Zutrauen schwindet in dem Maße, in dem die Furcht schwindet und rasche Entschlüsse nicht mehr förderlich zu sein scheinen. Der Zweifler, der sich den Aufschub für sein Handeln erwirkt, gewinnt dann an Zutrauen. (...) Der Mensch zögert und zaudert nicht, weil er Vernunft hat, sondern er hat Vernunft, weil er gelernt hat, sich das Zögern und Zaudern zu leisten. Die Vernunft ist ein Inbegriff präsumtiver, antizipatorischer, auch provisorischer Leistungen, deren anthropologischer Grenzwert es ist, dass wir das Bewusstsein haben können, sterben zu müssen, und es immer mit ihm zu tun haben.

    Blumenberg: Beschreibung des Menschen

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    Über die Beschleunigung des Prozesses der Transformation


    Verehrter Tathagata, wenn ich eure Worte richtig wahrgenommen habe, so bewahrt der Kosmos jedes Tun, und dieser Aspekt seines Wesens ist verantwortlich für den Pfad seiner Evolution, der vom Einfachen zur Mannigfaltigkeit und zugleich vom Einfachen zum Komplexen führt. Diesen Aspekt nennen wir Gedächtnis und er wirkt auf zwei Weisen; er bewahrt das ihn Erzeugende oder Bedingende. Dies nennen wir Entität, Gedanke, Identität usw. und mit zunehmender Komplexität beschleunigt es den Kreislauf des Prozesses der Transformation. Was sagt ihr zu diesem Pfad des Kosmos, verehrter Tathagata?“

    „Das ist gut erkannt“, lobte Tathagata den Schüler. „Weshalb beschleunigt die Komplexität den Prozess der Transformation, beschreitet sie den Pfad der Entwicklung mit stets weiter ausholenden Schritten? Das Ich bin.

    Das Ich bin lebt im Jetzt und strebt ohne sein Zutun in die Zukunft, und weil dem so ist, sucht es, aus den Informationen des

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    Männer, die wirklich heldenhaft handeln, rühmen sich ihrer Verdienste nie. Feur brennt lautlos, und ohne Lärm scheint die Sonne.

    Aus der Mahabharata

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    Über den Sinn des Daseins

    „Verehrter Tathagata“, sprach ein junger, noch ungeduldiger Schüler, der erst seit wenigen Wochen unter ihnen weilte, „die Weisen sagen, dass es für den Menschen keine schlüssige Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens geben kann. Sie begründen ihre Worte mit dem Wesen des Kosmos, dessen Dualität, welche die Fähigkeiten der Erkenntnis des Menschen übersteigt. Entsprechen ihre Worte der Wahrheit?“, fragte der Schüler und setzte sich voller Erwartung, weil er endlich Aufklärung über die sein Herz aufwühlenden Worte erwartete.

    „Höret!“, antwortete Tathagata mit erhobener Stimme und fasste den jungen Schüler fest ins Auge, der sofort erbleichte und voller Demut den Kopf senkte. „Was lehrte ich euch? Einfach ist die Wahrheit und erst der Pfad der kosmischen Evolution erzeugte die Mannigfaltigkeit. Die Weisen“, sagte Tathagata gedehnt und blickte in den sich allmählich verdunkelnden Abendhimmel, „sprechen die Wahrheit, und doch sind ihre Worte wie

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    Wenn dein Geistvon Unglück ungetrübt bleibt, wenn du keine Lust mehr begehrst, wenn deine Gefühle gelassen sind und du frei von Angst und Zorn bist, dann erfährst du innere Stille.

    Aus der Bhagavadgita

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    „Wovon wird das ‘Ich bin’ vergiftet und mit Auflösung bedroht?“, fragte der Vater eines Schülers von der Sorge um das Wohlergehen seines Sohnes getrieben, der zufällig des Weges kam und dessen geweckte Neugier, ihn der Belehrung des Tathagata lauschen ließ.

    „Höret!“ sagte Tathagata. „Der Vogel baut sein Nest nach seiner Art. Weshalb handelt er so?“ Ohne auf eine Antwort zu warten fuhr er fort: „Weil die Größe des Nestes so gewählt ist, dass es ausreichend Platz für die Eier und sein Weibchen bietet. Mehr Raum würde das Nest auskühlen lassen und die erfolgreiche Bebrütung ebenso gefährden wie ein zu kleines Nest, das die Eier mit Zerstörung bedrohte. Das Nest bildet somit die goldene Mitte, und es tut dies, weil es auf diese Weise seinen Daseinszweck auf die bestmögliche Art erfüllt. Es drückt auf diese Weise das Wohlergehen, die Erhaltung der Art, aus, die ihm am Herzen liegt und aus diesem Grund ist ihr Tun sinnvoll, welches sie durch den Vogel bewirkt. Den Pfad des

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    „Verlässt das ‘Ich bin’ im Schlaf seinen Leib und kündet der Traum von dessen Erfahrungen oder ist er wie der Frühnebel über den Wiesen und Feldern oder der Rauch des Feuers ein sich schnell auflösendes Gespinst, dessen zufällige Strukturen dem ‘Ich bin’ als Folge von Bildern zur Erscheinung gelangen? Bitte, verehrter Tathagata, belehre mich hierüber“, sprach der Schüler zu Tathagata.

    „Setzt euch zu mir“, antwortete Tathagata freundlich und wies mit der Hand auf den Platz zu seiner Rechten. „Träume sind, wie das unentwegte Gemurmel von Gebirgsbächen, das leise Rascheln der Blätter im Abendwind oder der stete Strom der alltäglichen Geräusche, treue Gefährten des Leibes, und diese Anhänglichkeit wird ihnen zum Schicksal. Das Beständige sinkt leicht zum Gewöhnlichen herab, und wie die Einzigartigkeit der einzelnen Schneeflocke sich im dichten Gewand verliert, in das sie die Natur kleiden, so umhüllt der Leib das Gewöhnliche mit Unsichtbarkeit, damit es dem Ich bin nicht mehr zur

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