Beiträge von Volker

    Gordon Smith I

    Gordon Smith ist eine - zumindest für meine Person - charismatische Gestalt. Im Gegensatz zu Galsan Tschinag sprang bei uns, wie der Volksmund sagt, der Funke über. Dies war auch ‘der’ Grund, um spontan das Seminar bei ihm zu buchen. Gordon leitet es zusammen mit seinem Freund und Schüler Steven Levett, dessen ruhige Art die während des Seminars herrschende Atmosphäre widerspiegelte. Wer mehr über die Arbeit von Gordon Smith erfahren will, dem empfehle ich zum einen seine Biografie und zum anderen sein Buch: Wie man ein Medium wird.

    Nach ein paar einführenden Worten zum Ablauf des Seminars und der mediumistischen Begabung des Menschen beginnen die 32 Teilnehmer mit der ersten Übung - einer ruhigen, auf das kommende Programm einstimmenden Meditation.

    In den ersten praktischen Übungen geht es, entweder in kleinen, 7 Personen umfassenden Zirkel oder in Zweiergruppen, um die Erfahrung der Gemeinsamkeit, sowohl in Bezug auf die Heilung als auch die ‘angenehme, entspannende und stärkende Erfahrung des Klienten, des Empfangenden. Wie viele Erfahrungen dieser Art sind sie nur schwer in Worte zu fassen und deshalb kann ich nur jedem Leser den Rat erteilen, selbst einen Kurs, entweder bei Gordon Smith oder einem anderen kompetenten Lehrer, zu absolvieren. Mit jeder Übung, jeder Stunde und jedem Tag, die übrigens wie im Fluge vergehen, fordert Gordon Smith mehr von den Teilnehmern, deren Grad der Erfahrung unterschiedlich ist und vom absoluten Anfänger - meiner Wenigkeit - bis zum bereits erfahrenen, praktizierenden Heiler reicht.

    Beispiel: Der Heiler sitzt, wie in der Straßenbahn, hinter dem Klienten und beide stimmen sich mit einer Meditation aufeinander ein. Sie atmen tief ein und langsam aus, entlassen damit ihre alltäglichen Verrichtungen, Probleme etc., werden ruhig und versuchen sich für den Heiler bzw. den Klienten zu öffnen. Ziel ist es, die Aura so weit auszudehnen, dass beide sich teilweise überlappen und somit der Spirit, der sich mit der Aura des Heilers verbindet - durch eben den Heiler - die Krankheitssymptome des Klienten erspürt und sie mit seiner heilenden Energie zu mildern oder gänzlich zu kurieren versucht. Als Heiler verspürte ich stets ein Gefühl intensiver Wärme und eine Schwere in den Beinen als trage ich für die Zeit der Heilung die Last des Klienten oder wie Atlas, die Weltkugel auf meinen Schultern. Die Erfahrung als Klient ist wundervoll, entspannend und kurierte mich am dritten Tag von leichten Kopfschmerzen.

    Zwischen den Übungen berichtet Gordon Smith über sein Leben, seine Ausbildung und Erfahrungen als Heiler und Medium, beantwortet geduldig die Fragen der Teilnehmer oder lauscht ihren Problemen, um auch hier mit seiner spürbaren Energie und Erfahrung zu helfen. Übersetzt wird Gordon Smith von Wulfing von Rohr, dem Veranstalter, dem ich an dieser Stelle meinen Dank für diese Leistung aussprechen will.

    In einer weiteren Übung - Zweiergruppe - zieht der Klient eine Tarotkarte, verbindet mit ihr eine Frage, ein Problem, das er gelöst haben möchte usw. und übergibt sie anschließend dem Heiler, der sich in der Zwischenzeit mit einer Meditation auf ihn, seine Aura, eingestimmt hat. Ziel der Übung ist, wie bei dem gesamten Seminar, das Zurücknehmen des ‘Ich’, des eigenen ‘Tuns’, um das für den Klienten notwendige Tun vertrauensvoll in die Hände von Spirit zu übergeben und auf die von Spirit vermittelten leiblichen Symptome, Emotionen, Bilder etc. zu registrieren. Im zweiten Teil, nach der Einstimmung auf die Karte und den von Spirit vermittelten Erfahrungen, berichtet der Heiler dem Klienten diese Empfindungen, interpretiert sie mithilfe von Spirit, spontanen Assoziationen etc. und erörtert anschließend das Problem, die Frage, ausführlich mit seinem Klienten. Diese Übung variiert im weiteren Verlauf des Seminars und wird mit einem Gegenstand des Klienten oder das Lesen dessen Aura hin erweitert bzw. beschränkt, entsprechend der eigenen Sichtweise.

    Hinzu kommen - im kleinen und/oder großen Kreis - Heilarbeiten für eine im Kreis sitzende Person, fremde Personen wie Angehörige oder die Wahrnehmung von Spirit vermittelten Informationen über diese Person, sei es aus deren Aura oder von Verstorbenen, die ihr eine Mitteilung zukommen lassen wollen.

    Mit einer gemeinsamen Meditation, zahlreichen Fragen und Antworten, endet der erste Teil des Grundkurses bei Gordon Smith, der im August fortgesetzt wird und an den sich im September der Progressive Course anschließt. Von beiden Seminaren werde ich natürlich an dieser Stelle berichten.

    Abschließend noch ein Wort zu der Fülle der Eindrücke, die hier wirklich nur rudimentär wiedergegeben werden können. Diese Tage stellten für mich eine wundervolle Erfahrung dar, sowohl in Bezug auf Gordon Smith, die ‘tollen’ Seminarteilnehmer bzw. der Austausch mit Ihnen und die vermittelten Erfahrungen. Selbst jetzt sitze ich, sobald ich die Augen schließe, wieder im Kreis, meditiere, heile oder lausche den Worten von Gordon Smith, Steven Levett usw.



    Thich Nhat Hanh erzählt in diesem Buch die Lebensgeschichte des Siddhartha Gautama, eines Menschen, der nach vielen Jahren der spirituellen Suche schließlich zum Buddha, zum „Erwachten“, wird.Auf sehr bildhafte, anschauliche Weise schildert der Autor die verschiedenen Lebensabschnitte Siddharthas, zeigt ihn als Jugendlichen, dem das Leben in Wohlstand und Sicherheit zu eng wird; als Ehemann und Vater, der Frau und Kind verlässt, um die Erleuchtung zu erreichen; und als den, der schließlich die Befreiung vom Leiden 64257;ndet und diese bis zum Ende seines Lebens unermüdlich lehrt. Dieses Buch ist aber weit mehr als die Beschreibung eines außergewöhnlichen Lebensweges,es ist gleichzeitig eine ausgezeichnete Einführung in die buddhistische Geisteswelt und vermittelt in verständlicher Form die wichtigsten Lehren des Buddha.

    Produktinformation

    • Taschenbuch: 576 Seiten
    • Verlag: Kamphausen Media GmbH (1. September 2010)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-13: 978-3899013474

    Kurzbiographie von Thich Nhat Hanh siehe Lexikon.

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    Bewahrt ihn im Herzen - lebt Hakuin, lebt Zen!


    Meister Hakuin Ekaku (1685-1768) war es, der das japanische Zen neu strukturierte. Er ist heute bekannt als einer der kraftvollsten und kreativsten Meister der Rinzai-Schule.

    Meister Hakuin besaß eine außerordentliche Kraft des Durchschauens tiefster Zusammenhänge des menschlichen Seins.

    Diese Autobiographie enthält Erinnerungen aus der Kindheit, Berichte über seine Zen-Praxis und Erleuchtungserfahrungen ebenso wie praktische Hinweise für Menschen auf der Suche nach sich selbst.

    Zen, eine Übung der Innenschau, dient der Selbstfindung und ist gleichzeitig ein Heraustreten aus der Verpflichtung zu einer gläubigen Weltsicht.Mit beißender Ironie prangert Hakuin Zenji die verkopfte Verwässerung auch heutiger Zen-Praxis an. Er demaskiert Missverständnisse und Missbrauch des Zen und legt dadurch dessen lebendigen Kern buddhistischer Übung und Erfahrung frei.

    Durch Entstellungen des Zen, wie sie bei neuzeitlichen esoterischen Anbietern nicht selten vorkommen, wird leider häufig das Tor zu wirkendem Zen verriegelt. Dadurch werden verzweifelte, verirrte und problembeladene Menschen betrogen und um die Chance, sich selbst zu retten, gebracht. Wie wunderbar, mittels "Wilder Efeu" von Meister Hakuin direkt unterwiesen zu werden. Das ist wahre Hilfe zur Selbst-Hilfe.


    Produktinformation

    • Gebundene Ausgabe: 315 Seiten
    • Verlag: Mumon-Kai Verlag; Auflage: 2 (8. September 2015)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-13: 978-3939857105

    'Was ist der Sinn eines Steines?', fragte Tathagata seine Schüler und als er viele Antworten erhalten hatten, sah er die Ratlosigkeit in ihren Augen, worin den nun, bei der Vielzahlder Antworten, der Sinn des Steins liegt und sprach: 'Höret! Sinn oder Unsinn, Wahrheit oder Lüge, Gerechtigkeit oder Unrecht, sind Begriffe des Menschen und der Entwicklung unterworfen wie er selbst. Was in frühererZeit gerecht erschien gilt heute als Unrecht und wie schnell wird eine Wahrheit als Lüge entlarvt oder wandelt sich sinnvolles zu Unsinn. Macht Unsinn, wenn er uns im Spiel erfreut, nicht Sinn? Besitzt nicht alles zweiSeiten? Und welche von den zwei Seiten ist gut oder böse, sinnvoll oder verwerflich?'

    'Gut ist, was die Gemeinschaft fördert!', rief ein Schüler und ein anderer meinte: 'Wer urteile den, ob etwas gut oderschlecht sei.'

    'Der Mensch selbst', beantwortete eine Gruppe Schüler seine Frage, worauf er hinzufügte: 'Und wer beurteilt den Menschen, ob sein Urteil gut und der Gemeinschaft förderlich ist?'

    'Höret!',sprach Tathagata und augenblicklich verstummten die Gespräche unter den Schülern. 'Zwei Eigenschaften gibt es, die dem Menschen zu Höherem gereichen. Welche sind das? Weisheit und Achtsamkeit. Nach Weisheitsollte er streben, weil sie ihm die Erkenntnis über die Wahrheit vermittelt und wenn er den Kosmos in all seiner Pracht gesehen hat, seine Hervorbringungen, dann wird die Weisheit seinen Geist führen und er wirddas Gute tun und das Böse meiden. Wer so von der Weisheit ergriffen ist, der lebt in Achtsamkeit gegenüber anderen Menschen und dient mit seinen Handlungen stets der Gemeinschaft.

    Achtsamkeit heißt: Achteden Menschen, seine Worte, Handlungen und stehe ihm selbstlos mit deiner Weisheit beiseite. Urteile nicht über ihn, denn selbst eine böse Handlung kann Gutes bewirken. Ewig sind die Zyklen des Kosmos und das Gesetzseiner Wandlung von Wirkendem und Bewirktem. So wie ein Felsen der in den Fluss stürzt zwei Dinge bewirkt, so unerschöpflich sind die Möglichkeiten dieses Ereignisses in der Zukunft. Welches ist sein Bewirkenjetzt? Der Felsen verursacht Wellen und er erhöht den Spiegel des Wassers, indem er auf den Grund sinkt und dort zur Ruhe kommt. Fragt ihr jetzt, welches Bewirken das Ereignis in der Zukunft hat, so würde das Lebenaller Menschen die auf der Erde gelebt haben und noch leben werden nicht ausreichen, um die Zahl der Möglichkeiten auszuschöpfen.

    Über die Zyklen des Kosmos


    Meister', fragte ein Schüler. 'Was setzte die Zyklen des Kosmos in Bewegung?'

    'Danach', antwortete Tathagata, 'frage nicht. Denn es gibt weder ein 'Davor' noch ein 'Danach'. Nur den Kreislauf der Zyklen des Kosmos.

    Eins ist der Kosmos.

    'Meister', wollte ein anderer Schüler wissen. 'Spracht Ihr nicht selbst von den zwei Seiten des Seins?'

    'So wie eine Medaille zwei Seiten besitzt, ein Teppich aus zwei Fäden gewoben wird, so besitzt auch der Kosmos zwei Seiten, eine sichtbare und eine unsichtbare. Die, welche der Mensch mit seinen Sinnen wahrnehmen kann, bezeichnen wir als die materielle Realität und die, welche nicht wahrnehmbar ist, das Seinsfeld.'

    'Ihr aber, verehrter Tathagata, seid dort ebenso zu Hause wie jetzt hier an diesem Ort.'

    'Ja. Wer die Wahrheit erkannt hat, dem offenbart sich die Schönheit des Kosmos. Nichts bleibt ihm verborgen.'


    Von der Wahrheit.

    Die Wahrheit gleicht der Sonne. So wie unser Körper ihre Wärme fühlt, so fühlt der Geist das Seinsfeld und wie jedes Lichtteil ein Stück Dunkelheit erhellt, so offenbart das Seinsfeld dem Geist eine Facette der Wahrheit.

    Als Tathagata die Fragen seiner Schüler fühlte, fuhr er fort und sprach:

    Die Sonne ist wie ein Meer, das an zahlreiche Länder grenzt. Die Einen nennen es Meer, andere ocean und wiederum andere mare oder ج: بحار und doch bezeichnen sie das gleiche Meer. Ebenso ist es mit der Wahrheit. Wie ein Lichtteil der Sonne nur einen begrenzten Raum erhellen kann, ein Tropfen nur wenig den Durst zu löschen vermag, so erkennt der Mensch nur eine Facette der Wahrheit.

    Gleichzeitig erhoben mehrere Schüler folgenden Einwand: 'Was nutzt uns ein Splitter der Wahrheit?'

    Tathagata sah, was seine Schüler bewegte und sprach:

    'Der Erleuchtete, welchem die Wahrheit offenbar wurde, genügt ein Lichtteil um sie zu schauen, so wie ein Tropfen seinen brennenden Durst löscht. So höret jetzt, was die Wahrheit ist: Einfach ist die Wahrheit. Ewig, keinem Wandel unterworfen.'


    'Aber was ist die Wahrheit, verehrter Tathagata?'

    'Der Kosmos', antwortete Tathagata, 'ist wie der Mensch, der geboren wird, altert und stirbt. Sein Äußeres wandelt sich, sein Fleisch stirbt und wird neugeboren, doch der Mensch bleibt derselbe. Der Mensch lernt das Dasein kennen, strebt nach Erkenntnis, zeugt Kinder und gibt sein Wissen an sie weiter. Das ist der Kreislauf des Menschen; fortschreitend in seiner Entwicklung, vom Niederen zum Höheren strebend.

    Der Kosmos wird geboren, altert und wird im Prozess der Erneuerung wiedergeboren. Und wie der Mensch in seinen Kindern fortlebt, sein Wissen in Büchern und mündlicher Überlieferung, so der Kosmos im folgenden Zyklus. Das ist der Kreislauf des Kosmos; Wandlung, vom Einfachen zum Komplexen strebend.'


    'Wahrlich, einfach ist die Wahrheit, verehrter Tathagata und zugleich verschlossen wie der Mund eines Mannes, der um ein Geheimnis weiß.'

    'Er hat wahr gesprochen', sagte ein anderer Schüler. 'Ein Mirakel scheint mir die Wahrheit.'

    Tathagata hob die Hand und mahnte zur Ruhe.

    'Höret!', sagte Tathagata. 'Einfach ist die Wahrheit, sagte ich, strahlend wie die Sonne und ihre Strahlkraft ist so mächtig, dass der Mensch sie nur zum Teil mit beschatteten Augen ertragen kann. Ebenso verhält es sich mit der Wahrheit und weil der Mensch nur einen Lichtstrahl in seinen Geist aufnehmen kann, so hält er diesen für die Wahrheit. Das ist der Grund für die Fülle der Wahrheiten.'

    'Dann verkündet jede Religion die Wahrheit?', flüsterte ein Schüler tief in Gedanken versunken. 'Obwohl sie keine gemeinsame Sprache besitzen, ja sich Widersprechendes lehren.'

    'Höret! Nur ein Trugbild ist der Widerspruch, wie die Fata Morgana in der flirrenden Wüstensonne. Nur der Unwissende sieht in ihr die Rettung seiner Leiden, geht in ihre Richtung und damit in sein Verderben. Der Weise aber, der die Wahrheit kennt, sieht in ihr das Abbild einer fernen Wirklichkeit und setzt seinen eingeschlagenen Weg fort und gelangt sicher an sein Ziel. Die Wahrheit sagt: Der Weg ist von Bedeutung und nicht das Ziel, weil es kein Ziel gibt. Ob der Mensch den irdischen Verlockungen erliegt und dabei zugrunde geht, ob er getreu seiner Religion, seinem Glauben, der Sprache seines Herzens den Weg seines Lebens bestreitet, stets folgt er damit dem Pfad der Wahrheit.'


    'Aber was ist mit jenen, die den Weg des Bösen einschlagen; die schlechte Taten begehen, die die Unwahrheit sprechen und selbst vor dem Verwerflichsten keine Abscheu hegen und töten, um des Vorteils wegen? Wandeln auch sie auf dem Pfad der Wahrheit?'

    'Ja.'


    Lautes Gemurmel erhob sich unter den Schülern.

    Über das kosmische Karma.

    'Höret! Nichts existiert für sich allein. Wäre dies möglich, so müssten wir es uns abgenabelt vom Kosmos vorstellen und das ist unmöglich. Und ein Weiteres tritt hierzu, wir wüssten nichts von ihm, weil es ohne Wirkung auf den Kosmos ist. Alles im Kosmos unterliegt dem Prozess von Ursache und Wirkung, so wie der Mensch, allein durch sein Dasein, Ursache von Wirkungen ist und selbst Wirkungen unterliegt, deren Ursachen er oft nicht kennt, die ihn wandeln und zum Verursacher neuer Wirkungen werden lassen.

    Ebenso beeinflussen die zwei Seiten des Kosmos einander, die sichtbare und die unsichtbare Seite, jene die wir die materielle Realität genannt haben und jene des Seinsfeldes, die Eins sind.

    Die ist das Gewebe des Kosmos und gemeinsam erschaffen sie, was ich das 'Kosmische Karma' nenne, welches die Entwicklung des Kosmos bewahrt und wie die Eltern bei der Zeugung ihre Gene an die Kinder übertragen, so prägt der Kosmos den nachfolgenden Zyklus,

    Das, welches gemeinhin als menschliches Karma bezeichnet wird, nenne ich 'Lebensfeld' des Menschen und wie das 'Kosmische Karma' ist es Ursache von Wirkungen und wird von anderen Ursachen bewirkt. Jedes Lebensfeld ist Teil des 'Kosmischen Karma', beeinflusst dessen Entwicklung über den irdischen Tod des Menschen hinaus, der sterblich ist wie alles in der materiellen Realität.'


    Wieder tuschelten die Schüler untereinander. 'Verehrter Tathagata', sprach einer der erfahrendsten Schüler, 'bestimmt dann das Lebensfeld über die Wiedergeburt? Und wenn es nach dem Tod Wirkungen ausgesetzt ist, beeinflusst das den Kreislauf der Wiedergeburten?'

    'Nur ein Leben besitzt der Mensch und weil sein Körper der materiellen Realität angehört, ist er dem Untergang geweiht. Sein Lebensfeld, das alle seine Handlungen, Erfahrungen und Gedanken umfasst, stellt den den unvergänglichen Teil des Menschen dar, weil es dem Seinsfeld angehört. Als Seele bezeichnen es die Einen, als Funke Gottes die Anderen und wieder Andere sagen, das es das Karma des Menschen ist.

    Ich habe euch gelehrt, das die Wahrheit einfach ist und das sie wie die Sonne im Lichte der Wahrnehmung durch den Menschen funkelt. Jede Facette ihres Glanzes verkündet einen Aspekt der Wahrheit und nur die Begrenztheit des menschlichen Geistes verhindert die vollständige Erkenntnis, so dass der Mensch den Teilaspekt für die umfassende Wahrheit erachtet.'

    Vielerlei Wahrheit.

    'Vielerlei Arten der Wahrheit gibt es, meine Schüler. So lebte einst ein Mann am Rande seines Dorfes, nahe eines Waldes und als es Abend wurde, fröstelte der Mann und sprach: 'Kühl wird es heute Nacht werden. Da ist es wohl besser, wenn ich ein Feuer entzünde.' Bevor die Sonne unterging, sammelte er Reisig, legte darauf ein paar dickere Äste und entzündete das Feuer. Bald loderte es, angefacht durch den Abendwind, prasselnd auf. Hoch schlugen die Flammen, tänzelten in der Luft und Funken stoben mit dem Wind davon. Eine Frau sah die Funken und rief: 'Feuer! Ein Haus brennt!' Sie stürzte davon und schlug Alarm. Ein Wanderer der zufällig des Weges kam, dachte bei sich: 'Funken im Wald bedeuten nichts gutes. Ich sollte zusehen, dass ich das Dorf erreiche, ehe das Feuer mich umschließt.' Ein Junge im Dorf, versuchte die Funken zu erhaschen und rief übermütig: 'Der Ofen brennt! Heute gibt es ein leckeres Mahl.'

    Das Feuer symbolisiert die Wahrheit, die Funken die Facetten ihres Glanzes und die Menschen für die vielerlei Wahrheiten. So sieht der Mensch den Funken, erkennt darin eine Facette der Wahrheit und hält diese für die umfassende Wahrheit.'


    'Wie aber erkennt der Mensch richtig?'

    'Jedes Ding im Kosmos trägt die Wahrheit in sich. Betrachte aufmerksam, versenke deinen Geist in die Dinge der Welt, bis du sie in ihrer Reinheit erkennst. Reinheit bedeutet, gereinigt von ihren individuellen Eigenschaften und befreit von den Empfindungen und Gedanken des Betrachtenden. Gelingt es dem Menschen, den Kosmos derart wahrzunehmen, so offenbart sich ihm die ganze Wahrheit.'

    'Sagt man nicht, dass der Mensch ein Kosmos sei? So betrachte den Menschen und erkenne den Kosmos, seine Schönheit und die ihm zugrunde liegende Wahrheit. Es ist nichts im Kosmos, was nicht auch im Menschen, einem Baum oder einem Stein zu finden wäre.

    Hört man nicht oft Menschen zu den Eltern sagen, dass ihr Kind ihnen gleiche, ja wie ein Spiegel sei? Ebenso gleicht der Mensch dem Kosmos und deshalb ist es einerlei, ob der Suchende den Kosmos betrachtet, seine Gedanken in sich selbst versenkt oder einen anderen Gegenstandzur Meditation benutzt. Alles im Kosmos trägt die Wahrheit in sich.'

    'Doch welches ist die Wahrheit?'

    Die Zyklen des Kosmos sind ewig. Deshalb frage weder nach dem Beweggrund ihres Seins, noch dem ihm innewohnenden Sinn. Der Kosmos ist ohne Anfang und Ende, Beweger seiner selbst und menschliche Begriffe sind ihm fremd. Ist ein Stein gut oder böse? Ist er gut, wenn er Teil eines Hauses ist oder böse, wenn mit ihm ein Mensch erschlagen wird? Und was ist mit einem Stein, der aus dem Felsen bricht und ein Kind erschlägt? Ist er böse, weil er einen Menschen getötet hat oder gut, weil er ihn womöglich vor Qualen bewahrt hat? Ein Stein kann vielerlei Verwendung finden, dem Guten wie dem Bösen dienen, dennoch ist er stets derselbe Stein. Folglich ist er beides oder nichts davon.

    Ebenso ist es mit dem Kosmos. Gut oder böse, schön oder hässlich, groß oder klein, das alles bedeutet ihm nichts. Wir nennen ein Buch langweilig, wenn uns die Geschichte nicht gefällt und gut, wenn sie uns Vergnügen bereitet. Welchen Anteil besitzt nun das Papier auf dem die Geschichte geschrieben steht? Ist es nicht jenseits von langweilig und vergnüglich, gut oder böse, von Eigenschaften überhaupt? Träger von Symbolen? Und erzeugen nicht erst die Symbole – Schriftzeichen, je nach Anordnung diese oder jene Geschichte? Und so wie Papier und Symbol unerschöpflich in ihrem Reichtum an Geschichten sind, so auch die die beiden Seiten des Kosmos, die materielle und die spirituelle, die sichtbare Realität und das Seinsfeld und das 'Kosmische Karma' ist ihre Geschichte.

    Einheit bedeutet Zweiheit, denn das Eine ist nichts ohne das Andere. So ist die Zweiheit das Eine. Der Kosmos ist das Eine und seine Zweiheit in Wahrheit Einheit. Nur der menschliche Geist löst diese Einheit zur Zweiheit auf; trennt das Sichtbare vom Unsichtbaren, die Materie vom Geistigen, die Ursache von der Wirkung. Einheit wird Zweiheit, sichtbare Realität und Seinsfeld, Wirkendes und Bewirktes und betrachten wir die aus der Einheit entstandene Zweiheit jede für sich, als existiere nur die gerade von uns Betrachtete, gleichsam als Einheit, so sehen wir nicht Einheit sondern Zweiheit.'

    'Verehrter Tathagata, lehre uns den richtigen Pfad des Sehens, damit wir die Wahrheit erkennen.'

    Vom Sehen der Wahrheit

    'Höret! Was seht ihr, wenn ihr bei Dunkelheit in den Himmel blickt?'

    'Den Sternenhimmel', antworteten einige der Schüler im Chor.

    'Wahr gesprochen. Übersät ist der Nachthimmel an klaren Tagen mit Sternen und wie wir heute wissen, ist das Licht Gesetzen unterworfen und weil es Zeit benötigt, um zur Erde zu gelangen, sehen wir die Pracht des Sternenhimmels wie er vor vielen Jahren war. Je tiefer wir in den Kosmos hinaus blicken, umso weiter dringen wir in seine Geschichte vor. Wir sehen, wie er vor Milliarden von Jahren ausgesehen hat, dass sich sein Zustand wandelt, er Entwicklungen unterworfen ist. Könnten wir bis zum Beginn des jetzigen Zyklus sehen, und wäre uns das allumfassende Sehen gegeben, so präsentierte der Kosmos sich uns als Einheit. Der menschliche Geist sieht nur die materielle Seite, während ihm das Seinsfeld verborgen bleibt. Er fühlt schmerzvoll die entstandene Leere, er sucht und forscht und von Zeit zu Zeit erblickt er einen Funken der Erkenntnis, gewährt ihm der Kosmos einen flüchtigen Einblick in sein Innerstes.

    Einheit. Wirkendes und Bewirktes, Vergängliches und Ewiges, die Zweiheit der Einheit. Urgrund nennen es die Einen, Gott die Anderen und noch viele Namen besitzt der Kosmos als er Einheit war und noch nicht Vielheit.'

    'Aber, verehrter Tathagata, weshalb wurde aus der Zweiheit der Einheit Vielheit?'

    'Weil jedes Ding das existiert aus dem Kosmos hervorging und damit seine Wahrheit in sich trägt, so erkennen wir die Antwort auf diese Frage, indem wir die Natur betrachten. Die Zweiheit als Einheit; Wirkendes und Bewirktes ist der Grund für die Vielheit. Wäre die Einheit nicht Zweiheit, so wäre heute anstatt Vielheit noch immer Einheit. Bloße Einheit ist wie ein einzelner Lichtstrahl im Nichts. Weder bewirkt er etwas, noch wird er selbst bewirkt. Er ist und ist nicht. Deshalb ist Einheit Zweiheit, Wirkendes und Bewirktes und so entsteht aus der Einheit, von Zyklus zu Zyklus des Kosmos, eine beständig anwachsende Vielheit.

    Die Zweiheit der Einheit, wirkt und wird selbst bewirkt. Dadurch wird das Bewirkte verändert und weil es nun ein Anderes ist, ist auch seine Wirkung eine Andere und so entsteht wiederum ein Anderes und wir nennen den Prozess von Wirkendem und Bewirktem im Kleinen Wandel und im Großen auf den Kosmos gewandt Entwicklung.'

    Ursprung des Kosmos


    „Meister“, fragte ein Schüler den Tathagata, „welches Ereignis schuf den Kosmos?“

    „Kein Pfad führt zum Ursprung des Kosmos. Deshalb denkt oder meditiert nicht darüber“, antwortete Tathagata. „Für das ‘Ich bin’ gibt es einzig den gegenwärtigen Zyklus des Kosmos und somit weder ein ‘Davor’ noch ein ‘Danach’.“

    „So bedingt Nicht-Wissen die Mannigfaltigkeit der Lehren über den Ursprung des Seins“, folgerte einer der Schüler aus diesenWorten.“

    „Der Kosmos“, sagte Tathagata, „ist wie ein Becher, den ihr, um euren Durst zu stillen, mit Wasser füllt. Er gleicht dem Kessel, mit dem ihr euer Essen bereitet, der Tasche, in der ihr eure Habseligkeiten aufbewahrt. Und so wiejeder von euch den Becher mit anderen Getränken füllen kann, so kocht er unterschiedliche Speisen in seinem Kessel und auch seine Habseligkeiten, die er in der Tasche mit sich trägt, wandeln sich von Tag zu Tag. Der Kosmos ist ein Gefäß, ein Raum von Möglichkeiten, und somit bedingt nicht das Nicht-Wissen die Mannigfaltigkeit der Lehren über den Ursprung des Seins, sie gründen im Gegenteil auf dem Wissenüber das wahre Wesen des Kosmos.


    Der Vortrag über Wahn (4.07. 2000) wurde für den philosophischen Stammtisch geschrieben und solldeutlich machen, zu welcher Interpretationsleistung das Ich unbewusst fähig ist. Zugleich zeigt es auf, überwelches Potenzial das Seinsfeld (unbewusste schöpferische Dynamik) verfügen muss. So ist es nichtverwunderlich, dass die Entwicklung mit wachsenden Datenfülle in beständiger Beschleunigung begriffenist.


    Der Wahn (Einführung)


    Der Begriff „Wahn“ ist ähnlich vorbelastet, und wurde auch bewusst – provokativ – gewählt. Wahn oder Wahnsystem steht in unserer Gesellschaft für Krankheit und für sinnlose, kriminelle Taten. Der Fall Schreiber, den Freud ausführlich schildert, ist der eines Wahnkranken, der in seinen Vorstellungen gefangen ist – weitab von der Realität. Ein anderes Beispiel stellt der Oberlehrer Wagner aus Eglosheim dar, das in der Nähe von Ludwigsburg liegt, der zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts dreizehn Menschen erschoss, einschließlich seiner Familie. Die Tat erfolgte aus seinem Verfolgungswahn heraus, dem er sich in zunehmendem Maße ausgesetzt sah und dem er nicht anders zu entkommen wusste.

    Diese Menschen lebten innerhalb ihrer Welt, ihres Wahnsystems, und doch erachteten sie es als Realität und letztlich ist es auch der Ausdruck der Wirklichkeit. Unsere Vorstellung der Realität basiert unter anderem auf der Wechselwirkung mit der Außenwelt und der Interpretation davon. Ziel ist es, dem Menschen das Überleben zu sichern und je mehr der Einzelne aus dem Gleichgewicht, seiner persönlichen Kreisbahn um den Mittelpunkt, gelangt, desto bizarrer werden die Regulierungsmaßnahmen, sprich das Wahngebilde und die Auswirkungen auf die Außenwelt.

    Doch es gibt auch unspektakulärere Fälle von Wahnsystemen, denen jeder Einzelne von uns unterliegt: Bei einer Umfrage nach dem fahrerischen Können, beurteilten nahezu sämtliche Befragten ihr Können als mindestens durchschnittlich, was natürlich unmöglich ist. Das ist Wahn in milder Form, die auch als Selbsttäuschung bezeichnet wird. An dieser Stelle wird nicht von den durch körperliche Defekte ausgelösten Wahnsystemen die Rede sein.


    Wahngebilde


    Die persönliche Vorstellung der Realität. Sie beruht auf der Wechselwirkung mit der Außenwelt (unbewusst mit dem Seinsfeld) und der Interpretation derselben. Das Wahngebilde dient dem Erhalt des Selbst, indem es Verwirklichungstendenz des Urselbst (Triebenergien), mit der tatsächlichen Verwirklichung in der Realität in Übereinstimmung bringt.


    Der Wahn

    Das Wahnsystem, dass das Ich in seiner vermittelnden, sinnstiftenden Art über uns legt, ist stark und selbst in der Analyse nur in der extremen Ausprägung erkennbar. Zuweilen entlarven wir selbst unser eigenes Wahngebilde, lächeln darüber und bezeichnen es fast entschuldigend als Irrtum oder Sackgasse und wenden uns eiligst davon ab, ohne zu bemerken, das wir bereits dem nächsten Wahngebilde huldigen, bzw. zum Opfer gefallen sind.

    Einige werden jetzt den Kopf schütteln, sich vielleicht an den Kopf tippen oder überhaupt nicht weiter lesen – ein Schutzmechanismus des Ich, welches das Überleben als oberste Priorität besitzt und dieses Ziel mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zu erreichen versucht. Das Ich als bewusster Teil des Selbst, welcher wie ein Spot über die Außen- und Innenwelt gleitet, nimmt kaum mehr als die Spitze des Eisberges wahr. Das Urselbst bleibt ihm ebenso verborgen bzw. wird von ihm nur in Form von Triebenergien wahrgenommen, die sich in Wünschen, Hoffnungen, Ängsten usw. in der Außenwelt verwirklichen wollen, wie der Großteil der Wechselwirkung zwischen Außen- und Innenwelt. Das Ich, die bedeutendste Errungenschaft des Lebens im Kampf des Überlebens, ist ein Beobachter, der seine Aufmerksamkeit aufgrund der Datenfülle nur auf einige wenige Ausschnitte der persönlichen Wirklichkeit konzentrieren kann und daraus seine Geschichten, seine Wahngebilde webt. Das Ich ist ein Mittler zwischen Gegensätzen – Körper und Geist, Wollen und Sein, altem und neuem

    Menschen, um nur einige zu nennen.


    Entstehung des Wahngebildes

    Der M-Raum (Möglichkeitsraum) des Menschen (Meta-Realität und Bewusstsein: Anhang B.) wird durch sein Urselbst geprägt. Das Urselbst will sich verwirklichen, d.h. Möglichkeiten realisieren und trifft hier auf eine natürliche, aber bedeutsame Barriere zwischen Innen- und Außenwelt, bzw. Verwirklichungstendenz und Realität.

    Das Urselbst sucht sich in der Außenwelt zu verwirklichen, mit anderen Worten: Raumzeitliche Muster werden in die Außenwelt projiziert. Der Vorgang lässt sich anhand eines Beispiels besser verdeutlichen. Für das Urselbst existiert die Idee einer Kugel, das Urmodell, nach welchem sie in der Außenwelt realisiert werden soll. Sie kann groß, klein, winzig oder grün, blau oder bunt sein. Es gibt zahllose Möglichkeiten, die mit der Vorstellung identisch sind.

    Das Urselbst gibt nur den Rahmen vor. Ein musisch veranlagter Mensch muss kein Instrument spielen, um diese Prägung zu entfalten, er kann auch im Kirchenchor singen oder ein begeisterter Operngänger sein. Der Weg der Möglichkeiten ist breit und bietet zahllose Entfaltungsmöglichkeiten. Das Ich reagiert nun auf die Wechselwirkungen, sofern sie über genügend Energie verfügen, damit Aufmerksamkeit überhaupt erregt wird. Es analysiert sie und versucht anhand gespeicherter Daten (Erfahrungen usw.), sie in der Außenwelt zu realisieren, soweit dies unter den gegebenen Umständen möglich ist. Gleichzeitig interpretiert es die Rückwirkung und gibt diese an das Selbst weiter.

    Konnte die Kugel, um bei unserem Beispiel zu bleiben, nicht verwirklicht werden, so webt das Ich ein Wahngebilde, das uns mit der veränderten Situation – einem Oval – leben lässt, ohne das uns der Misserfolg zu sehr aus dem Gleichgewicht bringt. Noch einmal: Urselbst (Prägung des Menschen) und Selbst (aktuales Selbst) sind nie deckungsgleich, sonst hätten wir den Idealfall einer zu hundert Prozent gelungenen Entfaltung, bzw. Verwirklichung und das ist nicht erreichbar.

    Die Unterschiede zwischen Urselbst und Selbst führen logischer Weise zu Spannungen, welche das Ich auszugleichen bestrebt ist; das Selbst muss Überleben und um das zu gewährleisten ist dem Ich jedes Mittel recht. Das impliziert, dass unser Ich Daten verdrängt, unserer Selbstschau nicht zugänglich macht. Werden sie uns bewusst, zufällig oder in der Psychoanalyse, so webt das Ich ein neues, logisches Wahnsystem, in das die verdrängten Daten integriert wurden, dass jedoch ebenso wenig der Realität entspricht wie das vorherige Bild. Fassen wir kurz zusammen: Ein Trieb des Urselbst wird vom Ich aufgegriffen, an die Außenwelt angepasst und die Rückwirkung dem Selbst, bzw. im Selbst abgespeichert, wobei sie je nach Erfolg manipuliert wird. Dieser Prozess läuft unbewusst ab und erst wenn das Ich auf eine Handlung fokussiert wird, weil sie Aufmerksamkeit erfordert, wird sie dem bewussten Teil des Ich zugänglich gemacht.

    Noch ein Wort zum Ich. Es besteht aus einem Konglomerat von Einzel-Ichs (Körper-Ich, Verortungs-Ich usw.), die unter dem Pseudonym ihres Namens zusammengeführt wurden, um effektiver auf Situationen der Außenwelt reagieren zu können. So wie das Selbst gegenüber seinem Urselbst blind ist, so auch in Bezug auf Teile des Ich.


    Wahn als Gegengewicht


    Die Unterschiede zwischen Urselbst und Selbst fordern ihren Tribut. Das Bestreben des Ich nach Einheit, Selbstentfaltung auf der einen Seite und Realität auf der Anderen, kann extreme Wahnsystem produzieren, in deren Tross der Mord an Frau und Kindern oder der Amoklauf und der Tod Unschuldiger mitgeführt werden.

    Stellen Sie sich das Urselbst als Mittelpunkt einer Kreisbahn vor auf der ein Trabant, unser Selbst, seines Weges zieht. Verwirklicht sich das Urselbst in nicht angemessener Weise in der Außenwelt, kommt das Selbst aus seiner Bahn und kann nur durch das Wahnsystem des Ich wieder auf seine Kreisbahn oder eine dieser nahe liegenden gebracht werden. Das eine solche Ausgleichsbewegung nicht endlos fortgeführt werden kann, bzw. zu stets irreversibleren Wahngebilden führt, an deren Ende die Auflösung des stabilen Gleichgewichts steht, ist leicht ersichtlich. Die Zerstörung des Selbst ist immer ein Akt mangelnder Verwirklichung des Urselbst (Körperliche Fehlfunktionen sind hier ausgenommen). Welche Einflüsse und Wechselwirkungen sich zufällig an die sich ausprägende Wahnkonstellation anhängen, ist von untergeordneter Bedeutung. Selbstverwirklichung ist kein starrer Prozess und nicht jede Abweichung führt zur Eskalation.

    Das Selbst ist von Beginn seines Daseins an, ein von seinem Urselbst getriebenes Wesen. Vergleichen wir es mit einem Wagen der einen Berg hinab rollt. Ihr Ich sitzt am Steuer. Links und rechts steile Abhänge. Alle paar Meter liegen Gegenstände auf der Straße und zwingen ihr Ich zu riskanten Ausweichmanövern. Kleinere Hindernisse stellen kein besonderes Problem für dessen Fahrkünste dar, größere hingegen fordern sein gesamtes Können heraus. Doch irgendwann, die Bremse ist, wie sich herausstellt, defekt, nützt ihm sein ausgezeichnetes fahrerisches Können nichts mehr; die Ausweichbewegung überfordert das Material, unser Ich. Der Wagen schleudert. Dem Ich gelingt mit einem letzten verzweifelten Kraftakt kurzzeitig die Rettung, ehe der Wagen unkontrollierbar wird, ausbricht und die Beteiligten über die Böschung hinab in den Tod reißt. Viele Komplikationen des Lebens, selbst härteste Schicksalsschläge können überwunden werden, während ein nichtiger Streitfall die Katastrophe auslöst. Unser Wissen über die inneren Zusammenhänge ist dürftig, obwohl die Wissenschaft mit Siebenmeilenstiefeln ausschreitet. Doch die Wechselwirkungen zwischen dem Einzelnen und der Außenwelt, dessen besondere interne Verarbeitung, sprengen in ihrer Komplexität jegliche Vorstellungskraft. Der Beitrag des Ich zum Überleben des Selbst – sein wahrer innerer Zustand, darüber können wir mit unserem heutigen Wissen nur ungenügende Aussagen treffen.

    Die Psychologie ist für mich Oberflächenbetrachtung und selbst unter Hypnose offenbart sich dem Therapeuten nicht das wahre Selbst des Patienten. Psychologie gewährt mir vielleicht Einblicke in das Gefühlsleben des Patienten; welche Erfahrungen er in der Kindheit gemacht hat und sie sich auf sein späteres Leben auswirken. Angst vor Spinnen und ihre Ursachensuche in der Tiefe des Unbewussten, dort wo das Kind immer noch zu Hause ist. Wir nehmen jedoch stets nur Reaktionen auf das Urselbst wahr und behandeln deshalb, wie auch in der modernen Medizin, nur die sichtbaren Auswirkungen des Übels. Sicherlich gibt es Erfolge; Patienten die seit Jahren nicht für sich selbst sorgen konnten, die in ihren Wahnsystemen gefangen waren, sich in ihren Betten verkrochen hatten und das Tageslicht mieden, sind jetzt wieder in die Lage versetzt, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Doch Achtung! Lebensfähig sein, bedeutet nicht, das der Mensch sich gemäß seines Urselbst verwirklicht, sich in seliger Harmonie mit ihm befindet. Das Ich ist zu vielem fähig und ein in seinem Bestand gefährdetes Wahnsystem ist schnell umgedeutet; der Wahn wird in ein neues Sinngebilde integriert. Urselbst, Selbst und das alte Wahnsystem werden mit Hilfe des Psychiaters, der einen Teil der Anpassungsleistung des Ich übernimmt, unter einem neuen Dach vereint.


    Schlusswort


    Wahngebilde sind der Umweg des Lebens zum Überleben; der Drang des Urselbst zur Entfaltung und damit zu sich selbst. Das Urselbst sagt: „Ich will werden, der ich bin“ und das Ich antwortet: „Du bist der, der Du sein willst“. Das Urselbst will Ewigkeit, selbst um den Preis alter Vorstellungen und Hoffnungen, eingebettet in ein Wahnsystem, welches, selbst wenn es durchschaut wird, nur mit einem Neuen eingekleidet wird. An dieser Stelle treten wir erneut in den Bereich des Glaubens ein: Das woran ich glaube, erhebe ich zu meiner Wahrheit. Mit anderen Worten: Indem ich glaube, es in meiner Vorstellungskraft zur realen Möglichkeit erhebe, verleihe ich ihm Wahrheit.

    Möglichkeit impliziert Realität – mögliche Realität. Das heißt: Es ist nicht auszuschließen und damit ist ihm die Tür zur Wirklichkeit geöffnet. Das Ich rettet damit das Selbst und sich vor dem sicheren Untergang.

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    Agentur Friedwald - Das etwas andere Unternehmen.

    Neuauflage, mit bisher unveröffentlichten Geschichten.


    Stein nickte erneut, wurde daraufhin wortkarg. Er antwortete knapp, musste sich jedes Wort aus der Nase ziehen lassen, bis er von dem freundlichen Mitarbeiter der Agentur Friedwald erneut gerügt und mit einem vernichtenden Blick abgestraft wurde. Die Fragestunde begann. Nach der dreißigsten Antwort wurde Stein der Prozedur allmählich überdrüssig. Wie zuvor fielen seine Antworten einsilbiger aus und er ertappte sich dabei, wie seine Gedanken abschweiften, sich angenehmeren Dingen zuwandten. Er sah sich in der Sonne sitzen, ein Eis essen oder gemütlich vor dem Fernseher lagernd, die Beine hochgelegt und eine Tüte Chips auf dem Schoß. Stein verabschiedete sich von Herrn Kiesewetter, nickte ihm dankbar zu, weil ihm die passenden Worte nicht in den Sinn kommen wollten, drückte ihm mit beiden Händen die dargebotene Rechte und schlich auf Zehenspitzen aus dem Büro und anschließend aus den Wandelhallen der Agentur Friedwald. Zwei Wochen später erhielt Stein die Einladung zum Themenpark Naturfreude in Gießen. Das Glück wollte, dass es ein Freitag war, und so eilte er zum Bahnhof, kaufte sich ein Ticket in besagte Stadt und holperte über das marode Netz der Bahn der neuen Behausung seiner Frau zu. Man behandelte ihn freundlich, wies ihm den Weg und wünschte ihm einen schönen und erholsamen Aufenthalt. Stein betrat den Themenpark. Er studierte die Wegmarkierungen, verglich sie mit der Beschreibung zum Standplatz seiner Frau und ging zielstrebig und mit pochendem Herzen los.