Bauchgefühl Teil II (Praktische Anwendung)

  • Wie ich im ersten Teil bereits ausgeführt habe, umfasst der Informationsgehalt des Leibes wesentlich mehr Informationen als dem Ich bin ‘bewusst’ zur Verfügung stehen.

    Es ist allseits bekannt, dass unsere Sinne wesentlich mehr Informationen wahrnehmen, als unser Ich bin bewusst zur Kenntnis erhält. Zahllose Filter sortieren die für uns unbedeutenden Informationen aus, weil sie - aus Sicht des Leibes - für die aktuale Situation nicht erforderlich sind bzw. für das notwendige Tun keine weiteren Informationen zur Verfügung gestellt werden müssen.

    Zudem verfügt der Informationsgehalt des Leibes über Informationen aus dem kollektiven Gedächtnis des Homo sapiens. Dabei handelt es sich um Erfahrungen - Wissen - usw., die unser Ich bin vor z. B. Gefahren schützen.

    Zu dem bisher Gesagten ein kurzes Beispiel: Wenn wir uns in Gesellschaft befinden, unseren Blick über die Anwesenden schweifen lassen, dabei den einen oder anderen näher betrachten oder uns an einem Gespräch beteiligen, dann nehmen unserer Sinne wesentlich mehr Informationen auf, als uns, dem Ich bin, zur Verfügung gestellt werden. Das heißt: Wir sind im Besitz von Gesten, Sprachschemata, der Mimik während des Sprechens usw. die uns nicht bewusst zugänglich sind. Sitzen wir jetzt bei einem Vortrag, bei dem uns von einem seriös wirkenden Mitarbeiter eines Institutes verschiedene Anlagemöglichkeiten für unser Geld vorgestellt werden, so wird - sofern wir darauf hören - unser Bauchgefühl mit Sicherheit Informationen liefern, ob wir dem Vortragenden vertrauen oder misstrauen sollen. Die Informationen, die zu dieser intuitiven bewussten Wahrnehmung beitrugen, stammen aus dem Informationsgehalt des Leibes. In diesem ist z. B. eine Geste, die Wahl der Worte oder eine andere Art der körperlichen Mitteilung (Ausstrahlung) abgespeichert, die wir - ohne das wir uns bewusst daran erinnern können, mit einem windigen Vertreter, einem Betrüger usw. verbinden. Unser Bauchgefühl warnt uns folglich, indem wir ein ungutes Gefühl in der Bauchgegend empfinden.

    Ebenso kann uns plötzlich ein bestimmter Gedanke in den Sinn kommen, die Äußerung eines Bekannten oder das Bild eines Mannes, der dieselbe Gestik, Wortwahl, etc. verwendete und sich als windiger Geschäftemacher herausstellte.


    Was können wir tun, um dieses Wissen gezielt nutzen und einsetzen zu können?

    Dazu ein kurzer Ausflug in die Frühzeit der chinesischen Geschichte. Hier liegt der Ursprung des Begriffes ‘Wu Wei’, der besagt: - Handle nicht – und doch bleibt nichts ungetan. Mit anderen Worten und in Bezug auf unser Beispiel: Aufmerksam zuhören und weder über die vorgestellten Möglichkeiten der Geldanlagen noch über den Vertreter des Institutes selbst ‘bewusst’ nachdenken. Einfach wahrnehmen, das Wahrgenommene wirken lassen und auf die Antwort bzw. Einschätzung des Leibes warten. Unser Leib ist in Bezug auf die Informationen, die er von den Sinnen erhält, wie ein trockener Schwamm. Er saugt sie auf, bis er vollgesogen ist und dann, beginnt er zu tropfen. Diese Tropfen bzw. diese Informationen, die uns, also dem Ich bin, spontan in Form eines unguten Gefühls etc. in die bewusste Wahrnehmung treten, sind für die aktuale Situation von Bedeutung und nur mit diesen Informationen sollten wir uns ‘bewusst’ beschäftigen.

    In diesem Zusammenhang fällt oft eine Szene aus Matrix ein, in der es heißt: Nicht denken, tun.


    Die Schwierigkeit, die einer sinnvollen, produktiven Zusammenarbeit mit unserem umfassenden Informationsgehalt des Leibes entgegensteht, ist - um nur ein Schlagwort herauszugreifen - die Modeerscheinung, jedes Tun bewusst zu tun. Lebe im Jetzt und handle stets bewusst oder anders ausgedrückt: Womit Du dich auch beschäftigst, tue es mit all deinen Sinnen usw. und so fort. Hier liegt - wie der Volksmund so treffend sagt, der Hund begraben. Die Evolution brachte die bewusste Wahrnehmung des Ich bin, dessen Reflexionsfähigkeit in Bezug auf sein Tun, nicht hervor, damit es jede Wahrnehmung seziert, sondern um es in einer sich beständig beschleunigenden Umwelt im Dasein zu erhalten. Das heißt: Die für das individuelle Ich bin notwendigen Erfordernisse in Bezug auf das tägliche Leben lernen - z. B. Autofahren -, um eben diese wiederkehrenden Handlungen unbewusst absolvieren zu können, damit die begrenzte Kapazität der bewussten Wahrnehmung des Ich bin entlastet und dringenden bzw. unsere Aufmerksamkeit fordernden Handlungen ohne Zeitverzögerung zur Verfügung steht.

    Die Kurzformel könnte folglich lauten: Aufmerksam mit allen Sinnen wahrnehmen, den Leib die Vorarbeit in Bezug auf die erhaltenen Informationen durchführen lassen, und erst wenn dessen Einschätzung vorliegt, diese bewusst in die Entscheidungsfindung mit einbeziehen. Wer hingegen seinem Bauchgefühl blind vertraut, der folgt dieser Entscheidung, wie ein Blinder seinem ihn sicher führenden Hund.


    An dieser Stelle ein weiterer kurzer Ausflug; dieses Mal zu der Flut der sogenannten Ratgeber.

    Das Ich bin sammelt mit seinen Sinnen Erfahrungen, die ihm helfen sollen, sein Leben so gut, so erfolgreich, so zufrieden als möglich zu gestalten. Gelingt ihm dies nicht in dem von ihm selbst erhofften oder gewünschten Maß bzw. ist es der Meinung, dass ihm in diesem Leben etwas Existenzielles fehlt, so folgt zumeist der Griff zu dem entsprechenden Ratgeber, Kurs etc. In der Regel handelt es sich diesbezüglich um zeitgemäße, also mit aktualen Schlagworten operierende, und zudem von bekannten, derzeit in aller Munde sich befindenden, Persönlichkeiten, die dem Suchenden ihre Handlungsanweisungen aufzeigen, mit denen sie das Gewünschte erreicht haben.

    Dazu ist nur wenig zu sagen: Erstens sind Ratgeber so allgemein als möglich angelegt, damit sich möglichst jeder Leser angesprochen fühlt und somit hohe Verkaufszahlen erzielt werden.

    Zweitens sollten Ratgeber, Kursleiter etc. nie mehr sein, als eine weitere neue, unseren Informationsgehalt bereichernde Erfahrung.

    Daraus folgt: Je umfassender dieser Informationsgehalt des Leibes ist, desto erfolgreicher sind die Informationen, die er dem bewussten Ich bin über das Bauchgefühl zur Verfügung stellt, für dessen Tun im Leben.


    Mit diesem kurzen Zwischenfazit beende ich den ersten Praxis-Teil. Im folgenden zweiten Teil, werde ich ihnen Methoden bzw. Übungen vorstellen, mit denen Sie mehr über den Informationsgehalt ihres Leibes, ihr ‘Höheres Selbst’ erfahren, um dieses Wissen ihrem Ich bin bewusst zur Erscheinung zu bringen, und es somit erfolgreich anwenden zu können.

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