Über den Traum

  • „Verlässt das ‘Ich bin’ im Schlaf seinen Leib und kündet der Traum von dessen Erfahrungen oder ist er wie der Frühnebel über den Wiesen und Feldern oder der Rauch des Feuers ein sich schnell auflösendes Gespinst, dessen zufällige Strukturen dem ‘Ich bin’ als Folge von Bildern zur Erscheinung gelangen? Bitte, verehrter Tathagata, belehre mich hierüber“, sprach der Schüler zu Tathagata.

    „Setzt euch zu mir“, antwortete Tathagata freundlich und wies mit der Hand auf den Platz zu seiner Rechten. „Träume sind, wie das unentwegte Gemurmel von Gebirgsbächen, das leise Rascheln der Blätter im Abendwind oder der stete Strom der alltäglichen Geräusche, treue Gefährten des Leibes, und diese Anhänglichkeit wird ihnen zum Schicksal. Das Beständige sinkt leicht zum Gewöhnlichen herab, und wie die Einzigartigkeit der einzelnen Schneeflocke sich im dichten Gewand verliert, in das sie die Natur kleiden, so umhüllt der Leib das Gewöhnliche mit Unsichtbarkeit, damit es dem Ich bin nicht mehr zur Erscheinung gelangt.“

    „Wie dem ‘Ich bin’ im Wald der einzelne Baum vor lauter Bäumen nicht bewusst wird“, warf der Schüler in einer kurzen Atempause ein.

    „In der Nacht, wenn der Leib zur Ruhe kommt, der Strom der Wahrnehmungen nahezu versiegt ist, tritt ihm das Gewöhnliche in neuer Gestalt gegenüber, erregt, sofern es von Bedeutung ist, dessen Aufmerksamkeit und verliert auf diese Weise seine Unsichtbarkeit, womit es von dem Ich bin, nach dessen Erwachen, als Handlungsgeschehen bewusst wahrgenommen wird. Im Traum lauscht das Ich bin, sofern der Leib es teilhaben lässt, seinem nie versiegenden Selbstgespräch.“


    Gesundheit und Glück

    Tathagata

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