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    Wenn drei Begründungen für eine Wahrheit existieren, ist die Wahrscheinlichkeit, das die Wahrheit. eine grundlegende bzw. umfassende Wahrheit darstellt, weniger wahrscheinlich, als wenn nur eine Begründung die Wahrheit explizit beschreibt, bzw. diese begründet.

    Wahrheit ist individuell und rekrutiert sich aus dem Umfeld des jeweiligen Individuums, dessen kulturellem Umfeld, Überzeugungen etc.

    Je öfter eine bestehende, individuelle Wahrheit neu begründet werden muss, desto näher kommt sie ihrem Zusammenbruch bzw. wird in eine neue, umfassende Theorie eingebunden oder geht aus ihr mit Notwendigkeit hervor (Kuhn - Paradigmenwechsel).

    Es geht somit nicht um wissenschaftliche Beweise (Falsifizierbarkeit, mathematische oder experimentelle Beweisbarkeit), sondern um die individuelle Konstellation des Ich bin, die eine Wahrheit zur Wahrheit erhebt oder verwirft. Die Kriterien, welche diese Wahrheit begründen, operieren anhand, der für den Organismus, optimalen Tuns, welches ihn im Dasein

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    Auf nichts kann sich der Mensch verlassen, auch auf sich selbst nicht; nichts hat er wirklich in der Hand, ja, die Wirklichkeit bleibt ihm letztlich, in ihrer Undurchschaubarkeit und Unberechenbarkeit, das Ergebnis eines sinnlosen Zufalls. Alles ist vergänglich und am Ende steht der Tod, das letzte, unabänderliche Siegel alles Zunichtewerdens, aller Nichtigkeit. So ist die Weltangst substanziell Todesangst, und die Weltangst als Todesangst ist die Grundgestimmtheit, das Grundexistential der Sünde als Gottferne und Dasein zum Tode. Diese Grundgestimmtheit taucht alles in ein fahles Licht; die Welt ist Fremdheit und Leere, wo man vergeblich ein letztes Zuhause und eine letzte Geborgenheit suchte.

    K. Hübner - Glauben und Denken.

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    Der Mensch muss eine Wahrheit für wahr halten, sprich an sie glauben, weil er nur in diesem Fall ihren Wahrheitsgehalt anerkennt. Sein individuelles Empfinden muss für den als real bzw. bewiesenen Sachverhalt sprechen, er muss daran glauben, nur dann erhält der Sachverhalt den Status Wahrheit. Er entspricht dann der Realität. Mit anderen Worten: Woran der Einzelne nicht glaubt - weil er persönlich so nicht empfindet -, das wird er nicht als Wahrheit akzeptieren, ungeachtet der vorliegenden Beweise.

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    Die Weltanschauung primitiver Gesellschaften hat stets eine großartige Geschlossenheit, man kann ihre Gesellschaftsordnung, das System des sozialen Status, die Wirtschaftsweise, ihre Entscheidungen zu den Lebenselementen stets sehr weitreichend auf ihre Riten und ihren Götterhimmel abbilden und umgekehrt. Diese Geschlossenheit ist nur erreichbar …

    Primitive Gesellschaften bilden deshalb eine großartige Geschlossenheit, weil sowohl ihre Zahl als auch ihr Wissen begrenzt ist.

    Sobald unterschiedliche Gesellschaftssysteme innerhalb einer Gruppe, die hierfür die notwendige Voraussetzung erfüllt (Große Zahl an Mitgliedern) existieren, zerbricht die Geschlossenheit und geht in den Pluralismus über.

    Wenn das Individuum seinen Erhalt nicht mehr im Umfassenden Familie, Staat usw. verorten und auf sich selbst, den Selbsterhalt zurückgeworfen wird, kommt es für das umfassende System zu irrationalen Handlungen.

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    „Welch eigenartiges Chaos ist diese weite Atmosphäre, die wir atmen! ... Die Luft selbst ist eine einzige riesige Bibliothek, auf deren Seiten alles für immer niedergeschrieben ist, was ein Mann je gesagt oder eine Frau geflüstert hat. Dort, in ihren veränderlichen, aber eindeutigen Zeichen, gemischt mit den frühesten sowie letzten Seufzern der Sterblichkeit, sind für immer festgehalten, nicht eingelöste Schwüre und unerfüllte Versprechen, die sich in der vereinten Bewegung jedes Elementarteilchens als Zeugnis des wechselhaften Willens des Menschen verewigen.“

    J. L. Borges - Die Bibliothek von Babel

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    Es ist immer eine eher animalische und instinktive Beeindruckung, die von dem Menschen des raschen Entschlusses und des entschlossenen Zugriffs ausgeht; sie scheinen es zu sein, die den Situationen der Not und Gefahr am ehesten begegnen können. Aber dieses animalische Zutrauen schwindet in dem Maße, in dem die Furcht schwindet und rasche Entschlüsse nicht mehr förderlich zu sein scheinen. Der Zweifler, der sich den Aufschub für sein Handeln erwirkt, gewinnt dann an Zutrauen. (...) Der Mensch zögert und zaudert nicht, weil er Vernunft hat, sondern er hat Vernunft, weil er gelernt hat, sich das Zögern und Zaudern zu leisten. Die Vernunft ist ein Inbegriff präsumtiver, antizipatorischer, auch provisorischer Leistungen, deren anthropologischer Grenzwert es ist, dass wir das Bewusstsein haben können, sterben zu müssen, und es immer mit ihm zu tun haben.

    Blumenberg: Beschreibung des Menschen

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    Die eigene Macht oder auch - an der Macht des anderen gemessen - die eigene Ohnmacht, die Nähe von Macht und Ohnmacht, erfordern geradezu die Entwicklung eines Sinns für das Angemessene. ‘Macht als eine zwar normschaffende, selbst aber normlose Größe ist auf Bewährung angewiesen.:!:

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