Blog Articles

    „Was ist der Sinn eines Steines?“, wollte Tathagata von seinen Schülern als Antwort auf seine Frage wissen, und als er zahlreiche Gedanken gehört hatte, sah er die Ratlosigkeit in ihren Gesichtern, worin denn in Wahrheit, bei der Vielzahl an unterschiedlichen Antworten, der Sinn des Kosmos begründet ist.

    „Höret!“, sprach er. „Sinn oder Unsinn, Wahrheit oder Lüge, Gerechtigkeit oder Unrecht, sind begriffliche Urteile des Ich bin und ebenso der Entwicklung unterworfen wie er selbst. Was in früherer Zeit als gerecht erschien, gilt heute als Unrecht, und wie schnell wird die Wahrheit als Lüge entlarvt und wandelt sich Sinnvolles in Unsinn. Ergibt Unsinn, wenn er uns im Spiel erfreut, nicht Sinn? Besitzt nicht jegliches Ding zwei Seiten? Und welche von den möglichen zwei Seiten ist gut oder böse, sinnvoll oder verwerflich?“

    „Gut ist, was die Gemeinschaft fördert!“, rief ein Schüler und ein anderer war der Meinung: „Wer urteilt denn darüber, ob etwas gut oder böse sei?“

    „Das ‘Ich bin

    Read More

    „Aber was ist die Wahrheit, verehrter Tathagata?“


    „Der Kosmos“, antwortete Tathagata, „gleicht dem Menschen, der geboren wird, altert und stirbt. So wie das individuelle Ich bin sein Dasein vom Kind zum Greis vollzieht, so schreitet das Seinsfeld in seiner Entwicklung vom Niederen zum Höheren fort und demselben Gesetz unterliegt der Kosmos, dessen Transformation das Seiende in seiner Mannigfaltigkeit bedingt wie sein Fortschreiten auf dem Pfad vom Einfachen zum Komplexen.“


    „Wahrlich einfach ist die Wahrheit, verehrter Tathagata, und zugleich verschlossen wie der Mund eines Mannes, der ein Schweigegelöbnis ablegte.“

    „Er hat wahr gesprochen“, sagte ein anderer Schüler. „Ein Mirakel scheint mir die Wahrheit.“ Tathagata hob die Hand und mahnte zur Ruhe.


    Fortsetzung folgt.

    Read More

    Die Furcht vor dem Corona-Virus, diesem Numinosen, entspringt der Zeit bzw. Entwicklungsstufe, als das ‘Ich bin’ sich zu entwickeln begann, es schwach war, träumend und nur für kurze Zeit aus dem Unbewussten, dem Dunkel des Nichtseins, auftauchte. Furcht vor der Auflösung (Auslöschung) des ‘Ich bin’ ist Furcht vor dem Nicht-Sein, der Willkür des blinden Schicksals, welche das ‘Ich bin’ jederzeit vernichten kann. Trotzdem oder gerade deshalb zieht ihn das Unbewusste, der Corona-Virus an und dieser Drang bzw. die Furcht, durch ihn den Tod bzw. die Auslöschung zu erleiden, stürtzt das 'Ich bin' in Hoffnungslosigkeit und panisches Verhalten, auch wenn es jeder Vernunft entbehrt.

    Read More

    Wo das Wort mit absoluter Autorität im Menschen wirkt, ihn durchdringt und von göttlicher Substanzialität erfüllt, sodass dabei die metaphysisch-ontologische Distanz zwischen subjektiven Erkenntnisbedingungen und objektiven Gegebenheiten verschwindet, da verliert auch die quaestio juris, also die für die Metaphysik so entscheidende Frage nach Begründung und Rechtfertigung ihren Sinn, die Frage nämlich, ob das Subjekt in seinem Denken der Wirklichkeit entspricht oder mit ihr übereinstimmt.

    Read More

    Wenn drei Begründungen für eine Wahrheit existieren, ist die Wahrscheinlichkeit, das die Wahrheit. eine grundlegende bzw. umfassende Wahrheit darstellt, weniger wahrscheinlich, als wenn nur eine Begründung die Wahrheit explizit beschreibt, bzw. diese begründet.

    Wahrheit ist individuell und rekrutiert sich aus dem Umfeld des jeweiligen Individuums, dessen kulturellem Umfeld, Überzeugungen etc.

    Je öfter eine bestehende, individuelle Wahrheit neu begründet werden muss, desto näher kommt sie ihrem Zusammenbruch bzw. wird in eine neue, umfassende Theorie eingebunden oder geht aus ihr mit Notwendigkeit hervor (Kuhn - Paradigmenwechsel).

    Es geht somit nicht um wissenschaftliche Beweise (Falsifizierbarkeit, mathematische oder experimentelle Beweisbarkeit), sondern um die individuelle Konstellation des Ich bin, die eine Wahrheit zur Wahrheit erhebt oder verwirft. Die Kriterien, welche diese Wahrheit begründen, operieren anhand, der für den Organismus, optimalen Tuns, welches ihn im Dasein

    Read More

    Auf nichts kann sich der Mensch verlassen, auch auf sich selbst nicht; nichts hat er wirklich in der Hand, ja, die Wirklichkeit bleibt ihm letztlich, in ihrer Undurchschaubarkeit und Unberechenbarkeit, das Ergebnis eines sinnlosen Zufalls. Alles ist vergänglich und am Ende steht der Tod, das letzte, unabänderliche Siegel alles Zunichtewerdens, aller Nichtigkeit. So ist die Weltangst substanziell Todesangst, und die Weltangst als Todesangst ist die Grundgestimmtheit, das Grundexistential der Sünde als Gottferne und Dasein zum Tode. Diese Grundgestimmtheit taucht alles in ein fahles Licht; die Welt ist Fremdheit und Leere, wo man vergeblich ein letztes Zuhause und eine letzte Geborgenheit suchte.

    K. Hübner - Glauben und Denken.

    Read More

    Der Mensch muss eine Wahrheit für wahr halten, sprich an sie glauben, weil er nur in diesem Fall ihren Wahrheitsgehalt anerkennt. Sein individuelles Empfinden muss für den als real bzw. bewiesenen Sachverhalt sprechen, er muss daran glauben, nur dann erhält der Sachverhalt den Status Wahrheit. Er entspricht dann der Realität. Mit anderen Worten: Woran der Einzelne nicht glaubt - weil er persönlich so nicht empfindet -, das wird er nicht als Wahrheit akzeptieren, ungeachtet der vorliegenden Beweise.

    Read More

    Die Weltanschauung primitiver Gesellschaften hat stets eine großartige Geschlossenheit, man kann ihre Gesellschaftsordnung, das System des sozialen Status, die Wirtschaftsweise, ihre Entscheidungen zu den Lebenselementen stets sehr weitreichend auf ihre Riten und ihren Götterhimmel abbilden und umgekehrt. Diese Geschlossenheit ist nur erreichbar …

    Primitive Gesellschaften bilden deshalb eine großartige Geschlossenheit, weil sowohl ihre Zahl als auch ihr Wissen begrenzt ist.

    Sobald unterschiedliche Gesellschaftssysteme innerhalb einer Gruppe, die hierfür die notwendige Voraussetzung erfüllt (Große Zahl an Mitgliedern) existieren, zerbricht die Geschlossenheit und geht in den Pluralismus über.

    Wenn das Individuum seinen Erhalt nicht mehr im Umfassenden Familie, Staat usw. verorten und auf sich selbst, den Selbsterhalt zurückgeworfen wird, kommt es für das umfassende System zu irrationalen Handlungen.

    Read More

    „Welch eigenartiges Chaos ist diese weite Atmosphäre, die wir atmen! ... Die Luft selbst ist eine einzige riesige Bibliothek, auf deren Seiten alles für immer niedergeschrieben ist, was ein Mann je gesagt oder eine Frau geflüstert hat. Dort, in ihren veränderlichen, aber eindeutigen Zeichen, gemischt mit den frühesten sowie letzten Seufzern der Sterblichkeit, sind für immer festgehalten, nicht eingelöste Schwüre und unerfüllte Versprechen, die sich in der vereinten Bewegung jedes Elementarteilchens als Zeugnis des wechselhaften Willens des Menschen verewigen.“

    J. L. Borges - Die Bibliothek von Babel

    Read More