Tathagata

Höret!

    Tathagata sprach: „Jedes Ich bin trägt das Wissen über den Kosmos in sich. Doch es verkümmert in ihnen, bleibt verborgenes Wissen. Es liegt brach wie ein unbepflanztes Feld. Deshalb öffnet die Tore in euch und lauscht diesem Urwissen, höret seine Worte und vertraut ihnen wie ein Blinder seinem treuen Weggefährten, der ihn sicher führt.“


    Ein friedvolles Wochenende

    Tathagata

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    „Gestern, verehrter Tathagata, spracht ihr über den Leib, dass er Geschichten spinnt und webt, wie sie uns im Traum begegnen. Ist somit die gesamte Realität nur Illusion?“, fragte ein älterer Mann Tathagata, dessen Frau mit fremden Zungen redete.

    „Der Leib webt, Wahrnehmung mit Wahrnehmung verbindend“, antwortete Tathagata mit Bedacht auf diese Frage, weil er um dessen leidvolles Schicksal wusste. „Das ist die Art des Geschichtenerfinders, unseres Leibes, der bis auf den heutigen Tag, bis zu der bewussten Wahrnehmung des Ich bin, seine Geschichten webt, um das Ich bin im Dasein zu halten.

    Somit ist nicht die Realität bloße Illusion, sondern die bewusste Wahrnehmung des Ich bin, dessen Erkenntnisse über sie, wie sie ihm zur Erscheinung gelangen. So, wie jedes Organ des Leibes seine speziellen Nährstoffe benötigt, damit es seine Gesundheit erhalten und die ihm übertragenen Aufgaben verrichten kann, bedarf das Organ Ich bin der Geschichten des Leibes. Sie schützen das Ich bin

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    Über den Sinn des Daseins

    „Verehrter Tathagata“, sprach ein junger, noch ungeduldiger Schüler, der erst seit wenigen Wochen unter ihnen weilte, „die Weisen sagen, dass es für den Menschen keine schlüssige Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens geben kann. Sie begründen ihre Worte mit dem Wesen des Kosmos, dessen Dualität, welche die Fähigkeiten der Erkenntnis des Menschen übersteigt. Entsprechen ihre Worte der Wahrheit?“, fragte der Schüler und setzte sich voller Erwartung, weil er endlich Aufklärung über die sein Herz aufwühlenden Worte erwartete.

    „Höret!“, antwortete Tathagata mit erhobener Stimme und fasste den jungen Schüler fest ins Auge, der sofort erbleichte und voller Demut den Kopf senkte. „Was lehrte ich euch? Einfach ist die Wahrheit und erst der Pfad der kosmischen Evolution erzeugte die Mannigfaltigkeit. Die Weisen“, sagte Tathagata gedehnt und blickte in den sich allmählich verdunkelnden Abendhimmel, „sprechen die Wahrheit, und doch sind ihre Worte wie

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    „Der Ursprung des Ich bin ist der Leib. So wie die Pflanze ihre Blüte hervorbringt, damit der Same ihre Art im Dasein erhalte, so erzeugt der Leib sein Ich bin, damit er nicht zum Opfer der Komplexität und Mannigfaltigkeit des ihn Umfassenden wird, bevor sein Same zur Reife gelangt ist.“



    „Kosmisches Bewusstsein, Gott oder Hierarchien von Göttern oder das Numinose, Unbewusste des Ich bin sind Synonyme des ihn Umfassenden, angefangen bei dem ihn beherbergenden Leib über das Seinsfeld der Spezies Homo sapiens bis hin zum Wesen des Kosmos selbst.“


    Gruß und Gesundheit

    Tathagata

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    „Wovon wird das ‘Ich bin’ vergiftet und mit Auflösung bedroht?“, fragte der Vater eines Schülers von der Sorge um das Wohlergehen seines Sohnes getrieben, der zufällig des Weges kam und dessen geweckte Neugier, ihn der Belehrung des Tathagata lauschen ließ.

    „Höret!“ sagte Tathagata. „Der Vogel baut sein Nest nach seiner Art. Weshalb handelt er so?“ Ohne auf eine Antwort zu warten fuhr er fort: „Weil die Größe des Nestes so gewählt ist, dass es ausreichend Platz für die Eier und sein Weibchen bietet. Mehr Raum würde das Nest auskühlen lassen und die erfolgreiche Bebrütung ebenso gefährden wie ein zu kleines Nest, das die Eier mit Zerstörung bedrohte. Das Nest bildet somit die goldene Mitte, und es tut dies, weil es auf diese Weise seinen Daseinszweck auf die bestmögliche Art erfüllt. Es drückt auf diese Weise das Wohlergehen, die Erhaltung der Art, aus, die ihm am Herzen liegt und aus diesem Grund ist ihr Tun sinnvoll, welches sie durch den Vogel bewirkt. Den Pfad des

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    „Verlässt das ‘Ich bin’ im Schlaf seinen Leib und kündet der Traum von dessen Erfahrungen oder ist er wie der Frühnebel über den Wiesen und Feldern oder der Rauch des Feuers ein sich schnell auflösendes Gespinst, dessen zufällige Strukturen dem ‘Ich bin’ als Folge von Bildern zur Erscheinung gelangen? Bitte, verehrter Tathagata, belehre mich hierüber“, sprach der Schüler zu Tathagata.

    „Setzt euch zu mir“, antwortete Tathagata freundlich und wies mit der Hand auf den Platz zu seiner Rechten. „Träume sind, wie das unentwegte Gemurmel von Gebirgsbächen, das leise Rascheln der Blätter im Abendwind oder der stete Strom der alltäglichen Geräusche, treue Gefährten des Leibes, und diese Anhänglichkeit wird ihnen zum Schicksal. Das Beständige sinkt leicht zum Gewöhnlichen herab, und wie die Einzigartigkeit der einzelnen Schneeflocke sich im dichten Gewand verliert, in das sie die Natur kleiden, so umhüllt der Leib das Gewöhnliche mit Unsichtbarkeit, damit es dem Ich bin nicht mehr zur

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    Es gibt ein Reich,

    wo nicht Erde noch Wasser ist,

    nicht Feuer noch Luft,

    nicht Raumunendlichkeit

    nicht Bewusstseinsunendlichkeit,

    noch Nichtsein,

    dort ist weder Wahrnehmung

    noch Nichtwahrnehmung,

    weder diese Welt noch jene Welt,

    weder Sonne noch Mond.

    Das nenne ich

    nicht Kommen, noch Gehen, noch Bleiben,

    weder Vergehen noch Entstehen.

    Ohne Grundlage, ohne Fortentwicklung,

    ohne Halt ist es:

    Dort ist des Leidens Ende.


    ( Buddha , Udana 8,1 )

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    Kali Yuga endlich, das finstere Zeitalter, hält sich lediglich auf fünfundzwanzig Prozent der vollen Kraft des Dharma. Nun triumphieren egoistische, verschlingende, blinde, ruchlose Kräfte und beherrschen die Gegenwart. Kali bedeutet das schlimmste von allem; auch 'Streit, Zank, Spaltung, Krieg, Schlacht'. Im Würfelspiel ist Kali der Verliererwurf. Während des Kali Yuga sind der Mensch und seine Welt in ihrem schlimmsten Zustand angelangt. Der moralische Niedergang wird an einer Stelle der Vishnu Purana wiedergegeben: "Wenn die Gesellschaft in einen Zustand gerät, wo Reichtum Rang verleiht, Besitz die einzige Quelle der Tugend wird, Leidenschaft das einzige Band zwischen Mann und Weib, Betrug die Grundlage des Erfolges im Leben, geschlechtliche Liebe der einzige Weg zur Freude und äußere Verwirrungen mit innerlichem Glauben zusammengeworfen werden ..." - dann sind wir im Kali Yuga, der Welt von heute.


    Heinrich Zimmer, Indische Mythen und Symbole, Diederichs Verlag 1972, S. 20f.


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    Arbeiten zum Essay über Karma I



    Ohne Entstehen, auch ohne Vergehen, nicht ewig, auch nicht abgeschnitten.

    Nicht eines, auch nicht verschieden, ohne Kommen, auch ohne Gehen.


    Korn ist ein Produkt bestimmter Relationen. Es entsteht nicht; es ist, wenn bestimmte Relationen (Bedingungen) gegeben sind. Korn ist deshalb von Anfang an. Es entsteht nicht, auch vergeht es nicht. Sobald die entsprechenden Relationen gegeben sind, ist Korn. Deshalb ist Korn auch nicht Keimling. Keimling benötigt andere Relationen.

    Es entsteht nicht, weil es bei den entsprechenden Relationen, ist. Was nicht entsteht, kann auch nicht vergehen. Deshalb ist es auch nicht ewig, weil von Relationen abhängig und nicht abgeschnitten, weil es, sobald die es bedingende Konstellation gegeben ist, wieder ist.

    Es ist nicht eines, weil es der Reaktionen bedarf und nicht verschieden, weil nur eine Relation es belebt. Es kommt nicht, weil es ist und es geht nicht, weil nur gehen kann was zuvor gekommen ist.


    Nagarjuna

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